Strafzettel für die Polizei

= Strafzettel für die Polizei =

Ich löse hier ein Versprechen ein, das ich vorhin gab.
Ich gab es an einen Vierjährigen, der heute zufällig auf einer Titelseite die Autos im Flutwasser stehen sah und mich gefragt hat, ob die da nicht kaputt gehen. Wir haben ziemlich lange gesprochen.

Darüber, was alles kaputt ging. Häuser, Autos… Auch Tiere? Auch Tiere. Und Bäume? Auch die. Mit den Wurzeln. Das Wasser hatte sehr viel Kraft.

Wir sprachen dann auch darüber, wie wunderbar es ist, dass Menschen dann einfach von irgendwoher mit dem Auto gefahren kommen, und Sachen vorbei bringen. Essen, Wasser, Kleidung. Schuhe? Soweit ich weiss auch Schuhe…

Und Matsch schaufeln. Sehr viel Matsch. Sind Strassen kaputt gegangen? Ja. Auch Brücken. Da sind Leute mit einem Traktor gefahren und haben das so gut es ging repariert. Fürs Erste.

Er fragte mich, ob die Sachen denn dann nicht nass werden, die man bringt.
Ich sagte, die sind sicher in einer Schule aufgestapelt worden. Wie in einem Supermarkt.
Man musste nur nichts bezahlen, wenn man sich etwas zu Essen, zu Trinken oder zum Anziehen holte.

Und dann wollte er wissen, ob auch Polizei- und Feuerwehrautos kaputt gegangen sind.
Ich sagte, ich weiss es nicht genau, könne mir aber vorstellen, dass dort geparkte Fahrzeuge auch kaputt gegangen sind.

Denn wisst Ihr, Polizei, der Junge hält viel von Euch.
Ein Polizeiauto ist das Lieblingsspielzeug.
Momentan.

Und dann haben wir darüber gesprochen, dass Ihr gestern in diese Schule gegangen seid und alles mitgenommen habt. Zum Wegschmeissen.

Und wisst Ihr, was er gefragt hat, Polizei?

„Aber dann haben die Leute ja nichts mehr zum Essen?“ – Ein Vierjähriger kapiert das.

Und er weiss, dass man Essen nicht wegwirft. Und wenn er umreissen würde, dass die gespendeten Sachen zum Teil von Menschen kamen, die selbst kaum etwas haben, dann fände er sicher auch das verwerflich.

Auf jeden Fall habe ich hier den Auftrag, Euch für das Wegnehmen der Sachen einen Strafzettel von ihm zu überreichen. Was ich hiermit tue.

Ich habe gefragt, was ich in diesen Strafzettel reinschreiben soll.

Etwas Gruseliges, hat er gesagt. Ein Gespenst.
Wohl für die Abschreckung.

Ich habe ihn auch gefragt, welche Strafe er für Euch ausgesucht hat. Gefängnis? Geldstrafe?

Er sagte: Nein. Die Strafe ist, dass sie das zurückbringen müssen, was sie mitgenommen haben.

Kinder sind offenbar sehr pragmatisch und lösungsorientiert.
Vor allem aber – milde.

Und das macht Hoffnung für die Zukunft.

Was Ihr gerade tut…

Nicht.

Quelle
Nico DaVinci