Schweizer Ärzte-Eid

Text:

Gelöbnis für Ärztinnen und Ärzte
In der Ausübung meines Arztberufes verpflichte ich mich, wie folgt zu handeln:

• Ich übe meinen Beruf nach bestem Wissen und Gewissen aus und nehme Verantwortung für mein Handeln wahr.

• Ich betrachte das Wohl der Patientinnen und Patienten als vorrangig und wende jeden
vermeidbaren Schaden von ihnen ab.

• Ich achte die Rechte der Patientinnen und Patienten, wahre grundsätzlich ihren Willen und
respektiere ihre Bedürfnisse sowie ihre Interessen.

• Ich behandle die Patientinnen und Patienten ohne Ansehen der Person1 und halte mich an
das Arztgeheimnis.

• Ich begegne den Patientinnen und Patienten mit Wohlwollen und nehme mir für ihre Anliegen (und die ihrer Angehörigen) die erforderliche Zeit.

• Ich spreche mit den Patientinnen und Patienten ehrlich und verständlich und helfe ihnen, eigene Entscheidungen zu treffen.

• Ich behandle die Patientinnen und Patienten nach den Regeln der ärztlichen Kunst und den
aktuellen Standards, in den Grenzen meines Könnens, instrumentalisiere sie weder zu
Karriere- noch zu anderen Zwecken und mute ihnen nichts zu, was ich mir selbst oder
meinen Nächsten nicht zumuten würde.

• Ich betreibe im Rahmen der mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten eine Medizin mit
Augenmass und empfehle oder ergreife nur Massnahmen, die sinnvoll sind.

• Ich wahre meine Integrität und nehme im Besonderen für die Zu- und Überweisung von
Patientinnen und Patienten keine geldwerten Leistungen oder andersartigen Vorteile
entgegen und gehe keinen Vertrag ein, der mich zu Leistungsmengen oder -unterlassungen
nötigt.

• Ich verhalte mich gegenüber Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen korrekt und wahrhaftig, teile mit ihnen mein Wissen und meine Erfahrung und respektiere ihre Entscheidungen und Handlungen, soweit vereinbar mit den ethischen und wissenschaftlichen Standards unseres Berufs.

Dies gelobe ich feierlich:

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Ort und Datum: …………………………..

1 «Ohne Ansehen der Person» heisst: ohne Diskriminierung wegen Geschlecht, allfälliger Behinderung, Religion, sexueller
Orientierung, Parteizugehörigkeit, ethnischer Herkunft, Sozial- oder Versicherungsstatus und Nationalität.

Wie der Schweizer Eid entstand

Auf Anregung des Instituts Dialog Ethik in Zürich wurde vor einigen Jahren eine Arbeitsgruppe bestehend aus Philosophen, Ethikern, Ökonomen und Gesundheitsfachkräften gebildet.

Auch Prof. Dr. med. Bernard Egger, Chefarzt Chirurgie am HFR, war Mitglied der Kommission und einer der ersten Botschafter des Schweizer Eids.

2018 legten die ersten vierzig Ärztinnen und Ärzte des HFR den neuen Eid ab.

Seither haben sich auch andere Spitäler und Kliniken dieser Bewegung angeschlossen, und der Funke ist selbst auf benachbarte Länder wie Deutschland und die Niederlande übergesprungen.

Der Schweizer Eid übernimmt zwar die Grundsätze des Hippokratischen Eids und der Genfer Deklaration, enthält jedoch ein paar Anpassungen, vor allem in Bezug auf die Ethik. Demnach verpflichten sich die Ärztinnen und Ärzte mit dem neuen Eid, ihre Patienten wie eigene Angehörige zu behandeln. Konkret heisst dies, jederzeit das Wohl des Patienten und nicht allfällige wirtschaftliche Interessen ins Zentrum zu stellen.

Tatsache ist: Ärztinnen und Ärzte stehen unter finanziellem Druck und können sich dazu verleiten lassen, durch unnötige Behandlungen oder – im Gegenteil – den Verzicht auf bestimmte Therapien ihren Umsatz zu erhöhen oder ihre Ausgaben zu senken. Der Schweizer Eid wird freiwillig, durch die Unterschrift jedoch ausdrücklich abgelegt. Er soll verhindern, dass die Medizin zum Business wird.