Genozid an Eziden – seit Jahrhunderten bis heute

Vor fünf Jahren begann der Genozid an den Jesiden im Irak. Noch immer leiden Hunderttausende. Deutschland sollte ein Sonderkontingent beschließen, um besonders schutzbedürftige jesidische Frauen und deren Kinder zu uns zu holen. Ein Gastbeitrag.

„Wir waren etwa 300 Frauen, Mädchen und Jungen. Grüppchenweise hat man uns hinten auf die Transporter verteilt. Du gehst da lang, du da lang … Das ging zack, zack. Felek haben sie in einen anderen Wagen gesteckt, wahrscheinlich zu den bereits verheirateten Frauen. Zutiefst erschrocken hielt ich mich an Mutters Arm fest.“

So beschreibt die damals 18-jährige Shirin in ihrem Buch „Ich bleibe eine Tochter des Lichts“ den Angriff des selbst ernannten Islamischen Staates auf die kurdischsprachige Gemeinschaft der Jesiden, der sich am 3. August zum fünften Mal jährt. Im Namen eines fundamentalistischen Islam begingen die Angreifer einen Genozid an der Zivilbevölkerung, ermordeten mehrere Tausend Menschen, meist Männer und Jungen ab 14 Jahren, und verschleppten über 6400 jesidische Frauen und Kinder, die versklavt, verkauft, massenhaft vergewaltigt wurden und unter Zwang konvertieren mussten.

Bis heute leben 300.000 Jesidinnen und Jesiden, etwa ein Drittel der gesamten Gemeinschaft, in Flüchtlingslagern in Kurdistan-Irak, in denen sie oft ohne Perspektive und vor allem ohne psychologische Hilfe überdauern – zusammen mit anderen Binnenvertriebenen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, insgesamt über eine Million Menschen allein in Kurdistan-Irak. Opfer der Terrormiliz und deren Anhänger sowie Mitläufer wohnen dicht an dicht.

Viele haben im Krieg ihr Zuhause, ihre Eltern und Kindern, ihr Hab und Gut verloren. Viele sind traumatisiert. Gerade für die Entwicklung von Kindern ist das ein höchst gefährliches Umfeld. Nur wenige Tausend Jesidinnen und Jesiden hatten das Glück, über humanitäre Kontingente nach Deutschland, Kanada oder Frankreich zu kommen.

Quelle:

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article197746149/Genozid-durch-IS-Die-verfolgten-Jesiden-verdienen-unsere-Hilfe.html