Kämpfen mit Fakten: Wie viele Opfer forderte Stalins Terror wirklich? – Russia Beyond DE

  1. „Eine Gesamtdarstellung aller Todesopfer wird schwer aufzustellen sein. Ich weiß nicht, ob es eine glaubwürdige Statistik zu den Hungertoten gibt. Ferner lässt sich für die Periode von 1941 bis 1945 nicht genau definieren, wie viele Menschen auf Befehl Stalins oder seiner Schergen umkamen, oder durch die von ihnen betriebene Politik, und wie viele durch die Auswirkungen des Deutsch-Russischen Krieges ihr Leben ließen. Und zählen die etlichen Suizide, ausgelöst durch Folter, Verbannung oder Beraubung der Existenzgrundlage auch zu Stalins Opfern? Simon Sebag Montefiore spricht in „Am Hof des Roten Zaren“ (Seite 261) von 72.950 Personen, die allein zwischen dem 5. und 15. August auf Vorschlag Jeschows und seines Stellvertreters Frinowski erschossen werden sollten. Diese Verordnung Nr. 00447 wurde am 31. Juli 1937 durch das Politbüro angenommen. 259.450 weitere Personen wurden entsprechend der Verordnung deportiert.
    Zwischen dem 28. August und dem 15. Dezember 1937 wurden weitere 48.000 Erschießungen bewilligt. Insgesamt sollen durch die Verordnung Nr. 00447 767.397 Menschen festgenommen und 386.789 Menschen hingerichtet worden sein.Ferner schätzt Montefiore die Zahl der Erschießungen unter Polen, Volksdeutschen, Koreanern, Bulgaren, Mazedoniern und anderen ethnischen Gruppen auf 700.000, von denen 247.157 anhand von sowjetischen Akten nachverfolgt werden können.Allein in der Ukraine sollen im Jahr 1938 106.119 Hinrichtungen ausgeführt worden sein. (Seite 310 des oben genannten Buches)Der „The Times Atlas Zweiter Weltkrieg“ nennt darüber hinaus noch Opferzahlen für die Zeit der sowjetischen Okkupation Ostpolens 1939-1941 und der späteren Rückeroberung 1944/45. 14.000 Polen sollen allein in Katyn ermordet worden sein, 150.000 Kriegsgefangene und 500.000 Zivilisten umgekommen sein, und 100.000 Menschen in den Gefängnissen des NKWD zu Tode gefoltert, verhungert oder erschossen worden sein. 950.000 Menschen sollen nach Osten deportiert worden sein.Diese Schreckensstatistik ließe sich jetzt noch unendlich erweitern, teils mit anderen Zahlen. Ich habe die Zahlen gepostet, um einen Überblick über das Ausmaß der Gewalt zu geben, eine Gesamtaufzählung wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Eine Zusammenfassung liefert „Geo Epoche“ in der Ausgabe „Stalin: 1917-1953 – Der Tyrann und das Sowjetreich“ (Nr. 38). Hier wird auf Seite 164f von zwei Millionen Toten in den Gulags, 300.000 umgekommenen deportierten Kulaken und 681.692 im Zuge des Großen Terrors Hingerichteten gesprochen. Der Hungersnot von 1946/47 sollen zwischen 500.000 und einer Million Menschen zum Opfer gefallen sein, der Hungersnot von 1932/33 gar sechs Millionen. Aber selbst bei dieser grausamen Aufzählung sind viele Opfer noch nicht enthalten, etwa die Kriegsgefangenen des 2. Weltkrieges, die von den Politkommissaren getöteten Sowjetsoldaten, die im Bürgerkrieg auf Geheiß Stalins Umgekommenen/Ermordeten, diejenigen Arbeiter, die aufgrund schlechtester Arbeitsbedingungen im Donezkbecken oder Magnitogorsk umkamen, und viele viele mehr.13. Mai 20132 Person(en) gefällt das.DieterPremiummitgliedZitat von swie: Hallo centafera,

    eine Gesamtdarstellung aller Todesopfer wird schwer aufzustellen sein. Ich weiß nicht, ob es eine glaubwürdige Statistik zu den Hungertoten gibt. Ferner lässt sich für die Periode von 1941 bis 1945 nicht genau definieren, wie viele Menschen auf Befehl Stalins oder seiner Schergen umkamen, oder durch die von ihnen betriebene Politik, und wie viele durch die Auswirkungen des Deutsch-Russischen Krieges ihr Leben ließen. Und zählen die etlichen Suizide, ausgelöst durch Folter, Verbannung oder Beraubung der Existenzgrundlage auch zu Stalins Opfern?Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.Die Opferzahl des Stalinismus ist bis heute umstritten und schwankt zwischen etwa 3-4 Millionen und 20 Millionen. Es scheint wohl auch eine Frage zu sein, was man dem Stalinismus als Opfer zuschreibt und wie weit man dabei geht bzw. zählt. Kann man z.B. die toten Kriegsgefangenen des 2. WK dazu zählen oder die Opfer von Hungerkrisen 1931/33 und nach 1945?Ob man schließlich den Zahlen der sowjetischen Archive, die inzwischen geöffnet sind, vertrauen kann, ist unter Historikern ebenfalls heftig umstritten.13. Mai 2013“ (netzkommentar in Geschichtsforum)
  2. Außerdem hier:

https://de.rbth.com/kultur/geschichte/2017/07/31/kampfen-mit-fakten-wie-viele-opfer-forderte-stalins-terror-wirklich_813916

Auszug:

Josef Stalin gilt als einer der grausamsten Diktatoren aller Zeiten. Die Zahlen über die Opfer seines Regimes allerdings weichen stark voneinander ab.

/ Reuters

/ Reuters

Während der 1980er und 1990er Jahre ging die die Mehrheit der Russen im Allgemeinen davon aus, dass das ganze Ausmaß von Stalins „Großer Säuberung“ zwischen 1936 und 1938 niemals ans Tageslicht kommen würde. Wobei viele Russen vermuteten, dass weit mehr Menschen getötet wurden, als bislang zugegeben worden war. Seit den berüchtigten Machenschaften Stalins sind inzwischen 80 Jahre vergangen. Ein guter Zeitpunkt für die russische Gesellschaft, auf das späte 20. Jahrhundert zurückzublicken und zu diskutieren, wie sie mit der brutalen Wahrheit über ihre Vergangenheit umgehen will. 

Die herrschende Linke verschweigt bis heute alles.

„In den frühen 1990er Jahren beschäftigte ich mich sehr intensiv mit Statistiken über den sowjetischen Terror. Nach meinen Berechnungen verhafteten die Sicherheitsdienste während der gesamten Periode des Sowjet-Regimes 7,1 Millionen Menschen. Die russische Öffentlichkeit war jedoch immer der Auffassung, dass allein in den Jahren 1937-1939 etwa zwölf Millionen Menschen verhaftet worden seien. Also habe ich alle meine Berechnungen für eine lange Zeit beiseitegelegt“, erzählte der Vorsitzende der Organisation Memorial Arsenij Roginskij. Memorial ist eine Bürgerrechtsorganisation, die sich das Ziel gesetzt hat, „die Offenlegung der Wahrheit über die historische Vergangenheit zu fördern und die Erinnerung an die Opfer der politischen Repression zu verewigen“.