Tränen im Wartezimmer

Petra Stefen in Facebook:

„Kurzer Erfahrungsbericht aus einem Wartezimmer:
Seit dem Einfrieren des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens, auch Lockdown genannt, habe ich alle Arztbesuche aufgeschoben.

Regelmäßig benötigte Rezepte durfte ich telefonisch vorbestellen und an der Tür der Hausarztpraxis abholen.
Nun mußte ich aber Donnerstag dringend zu einem Facharzt. Im Wartezimmer fünf Stühle, fünf Patienten (mit mir). Und ich saß noch nicht richtig, da gingen mich drei von vier Patienten massiv verbal an. Ich hätte meine Maske nicht hochgenug gezogen, man könne meine Nasenlöcher sehen. Wo schauen die Leute hin???


Ich versuchte dagegen zu halten. Leider bin ich nicht so schlagkräftig und die guten Argumente fallen mir erst immer hinterher ein, grundsätzlich.


Nun ja, ich hatte gleich Tränen in den Augen. Heulsuse sagte ich mir selbst. Ich dachte, SO hat sich ein Jude ab 1933 fühlen müssen. Stigmatisiert, ausgegrenzt, beschimpft, bepöbelt.

Und ich war nach 30 Minuten wieder aus der Praxis raus!!!

Wehe dem, der dem länger ausgesetzt ist. Eine mir bekannte Psychologin erzählte mir, sie habe etliche Patienten, die Masken befreit sind. Und die werden richtig heftig angegangen!!! Diese Patienten würden gerne freiwillig eine Art Markierung, Armbinde?, tragen, nur, um sich nicht ständig erklären und rechtfertigen zu müssen.
Leute, WIE konnte das so schnell passieren?
WAS bringt das Bösartige und Niederträchtige im Menschen nur so schnell und in diesem Umfang hervor?

Heute mußte ich an einem CDU Stand vorbei. Ich mache nie Halt, da ich ja woanders stehe. Aber heute habe ich mir drei CDUler vorgenommen. Zwei Kommunalpolitiker und ein MdL aus Düsseldorf. Keine richtigen Antworten auf eine meiner Fragen. Nur wischiwaschi. Alle standen im freien mit Stoffmaske, CDU-Logo drauf. Ich meinte, ich würde nicht mit Menschen reden, deren Gesicht ich nicht sehen kann. „Man müße ja an die Volksgesundheit denken“, war die blöde Antwort auf verschiedene Fragen zum Thema Maskenzwang. Volksgesundheit??? Wieder einmal fiel mir zu spät ein, was ich hätte entgegen können. Z.B. ist Volksgesundheit nicht auch so ein Naziwort??!

Den Wunsch des Rückzuges ins Private verstehe ich nur zu gut. Den habe ich vor 15 Jahren schon angetreten, aber ein bestimmtes Minimum an Freiheit MUSS sein. Ich kann mich nicht bei jedem Lebensmitteleinkauf den „Löwen zum Fraß“ vorwerfen.


Von stöbern in meinem Stammbuchladen will ich erst garnicht reden.“