Polizeiliche Kriminakstatistik – ausgewählt und bewertet

„Dank an Peter Mersch:

++ Polizeiliche Kriminalstatistik 2019 (PKS 2019):

Die Migrationsstärken aus den verschiedenen Ländern der Erde nach Deutschland ++

Der Artikel schließt sich an die bereits veröffentlichten Artikel an:

► Teil 1: Polizeiliche Kriminalstatistik 2019 (PKS 2019): Die Entwicklung der Fallzahlen einiger zivilisationskritischer Straftaten
(https://www.facebook.com/peter.mersch.1/posts/3444842195534152)

► Teil 2: Polizeiliche Kriminalstatistik 2019 (PKS 2019):

Die Entwicklung der Kriminalitätsindizes für verschiedene Ausländerpopulationen https://www.facebook.com/peter.mersch.1/posts/3444948675523504

► Teil 3: Polizeiliche Kriminalstatistik 2019 (PKS 2019):

Populationsgrößen und Geschlechterverhältnisse von 13 ausgewählten Zuwandererpopulationen im Zeitraum 2013 bis 2019 und ihr Einfluss auf die Kriminalität
https://www.facebook.com/peter.mersch.1/posts/3448013678550337

Die Stärke der Migration aus einem „Herkunftsland“ nach Deutschland lässt sich grob aus der Populationsgröße der in Deutschland lebenden Ausländer mit der Nationalität des Herkunftslandes pro eine Million Einwohner des Herkunftslandes abschätzen.

In meinen Büchern und Artikeln verwende ich für dafür zumeist den Begriff des Einwanderungsfaktors.

Beispiel:

Gemäß Ausländerzentralregister lebten in Deutschland zum 31.12.2019 ca. 789.460 Ausländer mit syrischer Nationalität.

Zur gleichen Zeit besaß Syrien gemäß den Angaben der UN eine Bevölkerungsgröße von etwa 17,6 Millionen Menschen.

Durch Division (789460/17,6) ergibt sich ein Einwanderungsfaktor von 44.856.

Man kann dies aber auch genauso gut in Prozent ausdrücken.

Demnach entsprach die Größe der syrischen Ausländerpopulation in Deutschland (789.460) zum 31.12.2019 4,49% der Bevölkerungsgröße Syriens (17.000.006) zum gleichen Zeitpunkt.

In der angehangenen Tabelle werden die 30 Nationen gelistet, die am 31.12.2019 in Relation zu ihren Heimatbevölkerungen die größten Ausländerpopulationen in Deutschland besaßen (4. Spalte „% Heim.“).

Die Tabelle ist nach diesem Kriterium (das heißt, nach der 4. Spalte „% Heim.“) absteigend sortiert.

Die erste Spalte („#“) zeigt die Rangposition an, die zweite („Nationalität“) den Namen des Herkunftslandes, die dritte („Ausländer“) die Größe der Ausländerpopulation in Deutschland mit dieser Nationalität zum 31.12.2019 und die vierte („m:w“) das Zahlenverhältnis der männlichen zu den weiblichen Personen in dieser Population zum gleichen Zeitpunkt.

Die beiden letzten Spalten beinhalten zwei unterschiedliche Kriminalitätsindizes. Sie werden gegen Ende des Artikels erläutert.

Demnach liegt der Kosovo auf dem ersten Rang. Die Größe seiner Ausländerpopulation in Deutschland entsprach zum 31.12.2019 fast 13% seiner gesamten Heimatbevölkerung.

Das ist ein unfassbar hoher Wert.

Zudem wächst diese Ausländerpopulation beharrlich weiter, wie im dritten Teil der Artikelreihe
https://www.facebook.com/peter.mersch.1/posts/3448013678550337

aufgezeigt wurde.

Zum 31.12.2013 lebten lediglich 32.183 Ausländer aus dem Kosovo in Deutschland, zum 31.12.2019 waren es bereits 232.075.

Nach Ansicht des Migrationsforschers Paul Collier (Collier, Paul (2014):

Exodus. Warum wir die Einwanderung neu regeln müssen. München: Siedler) können große Ausländerpopulationen eine regelrechte Sogwirkung auf die im Heimatland Zurückgebliebenen ausüben.

Anders gesagt:

Große Ausländerpopulationen ziehen weitere Menschen aus dem Heimatland an.

Umgekehrt neigen Emigranten dazu, weitere Mitglieder der Heimatbevölkerung in ihre neue Lokation nachzuholen (Familie, Verwandte, Partner, …) oder sie für eine Migration in ihre Wohngegend anzuwerben (Freunde, Bekannte, potenzielle Ehepartner etc.).

Die Behauptung Paul Colliers trifft nicht nur länderbezogen, sondern auch für Regionen und Städte zu.

Und sie lässt sich überall auf der Welt empirisch bestätigen.

Auf diese Weise sind beispielsweise in New York Chinatown, Little Italy und andere Stadtviertel mit stark überproportional vertretenen Einwanderergruppen entstanden. In Deutschland sind ähnliche Prozesse zu beobachten.

Die beschriebene Entwicklung lässt sich äußerst plausibel mithilfe der Systemischen Evolutionstheorie, gemäß der alle Lebewesen kompetenzverlustaverse Systeme sind, prognostizieren und erklären (Mersch, Peter (2020):

Was ist Leben?

Von der Zelle zur modernen menschlichen Gesellschaft und darüber hinaus.

Reiskirchen:
Independently Published).

Wer allein in ein fremdes Land zieht, in dem eine andere Sprache als im Heimatland gesprochen wird und es zudem markante kulturelle Unterschiede gibt, und in dem er außerdem praktisch niemanden kennt, der dürfte zunächst einen weitgehenden Kompetenzverlust erleben.

Eine Ausnahme könnten seine beruflichen Kompetenzen darstellen, sofern er dafür nur geringe Kenntnisse in der Amtssprache des Aufnahmelandes benötigt.

Beispiele sind Wissenschaftler, Musiker oder Programmierer, das heißt im Grunde alle Berufe und Tätigkeiten, in denen man über eine längere Zeit auch mit Englisch gut zurechtkommt.

Zur Abwendung eines fast vollständigen temporären Kompetenzverlustes ziehen die meisten Migranten deshalb in Gegenden, wo schon viele andere ihres Heimatlandes oder Kulturkreises leben.

Genau das ist letztlich Paul Colliers Behauptung.

Und in der Tat hoffen viele Migranten, dass sie in einer Region, wo schon andere ihrer eigenen Nationalität und Kultur sesshaft sind, mehr Unterstützung finden, sich aufgehobener fühlen und mehr von ihren vorhandenen kulturellen Kompetenzen (Sprache, Religion, Freundschaft etc.) bewahren können. Zudem hoffen sie, dass es ihnen hierdurch später einmal leichter fallen könnte, in ihre Heimat zurückzukehren und dort erneut Fuß zu fassen. Sie behalten sich hierdurch mehr Lebensoptionen offen.

Es lässt sich deshalb durchaus prognostizieren, dass die Ausländerpopulation des Kosovo in Deutschland mit den Jahren noch weiter wachsen wird, vielleicht nicht aber in anderen EU-Ländern mit kleineren Ausländerpopulationen, die für die in der Heimat Zurückgebliebenen aus den genannten Gründen weniger attraktiv sind.

Es ist vorstellbar, dass in nicht allzu ferner Zukunft in Deutschland mehr Ausländer aus dem Kosovo leben werden als der Kosovo selbst an Einwohnern hat.

Auffällig ist, dass sich auf den ersten 12 Rängen der in der angehangenen Abbildung dargestellten Liste 10 Länder der Balkanregion (Kosovo, Kroatien, Bosnien&Herzegowina, Nordmazedonien, Bulgarien, Rumänien, Montenegro, Griechenland, Serbien, Albanien) befinden.

Zudem enthält die Liste insgesamt 14 EU-Nationalitäten.

Allerdings liegt das höchstplatzierte EU-Land – das zur Balkan-Region gehörende Bulgarien mit einer Ausländerpopulation, deren Größe etwas mehr als 5% der Heimatbevölkerung entspricht – nur auf dem fünften Rang. Kosovo, Kroatien, Bosnien&Herzegowina und Nordmazedonien sind noch vor Bulgarien platziert, Syrien knapp dahinter, erst danach folgt mit Rumänien das nächste EU-Land der Balkan-Region.

Die Zusammensetzung der Liste lässt im Grunde nur den Schluss zu, dass Wirtschaftsmigration (auch in einen funktionierenden Sozialstaat hinein) die dominierende Form der Migration nach Deutschland ist.

Doch nun zu den beiden letzten Spalten der angehangenen Tabelle:

Der zweite Teil „Polizeiliche Kriminalstatistik 2019 (PKS 2019):

Die Entwicklung der Kriminalitätsindizes für verschiedene Ausländerpopulationen“

der Artikelreihe definierte den Kriminalitätsindex einer Population für eine Straftat (beispielsweise für „Gewaltkriminalität“) als die Zahl der Tatverdächtigen für die Straftat pro 100.000 Populationsmitgliedern im Verhältnis zur Zahl der deutschen Tatverdächtigen pro 100.000 deutschen Staatsbürgern bei der gleichen Straftat.

Ein Kriminalitätsindex von 20 bedeutet demnach, dass die Populationsmitglieder pro Kopf 20 Mal so häufig Tatverdächtige für die Straftat waren wie Deutsche.

Die Kriminalitätsindizes für Deutsche sind gemäß dieser Definition für alle Straftaten stets gleich 1.

Sie dienen als Referenz.

Zudem wurde ein genereller Crime-Kriminalitätsindex eingeführt, der dem Mittelwert der Kriminalitätsindizes für die Straftaten

► 111n00: Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexueller Übergriff

► 222000: Gefährliche und schwere Körperverletzung, Verstümmelung weiblicher Genitalien

► 435*00: Wohnungseinbruchdiebstahl

► 892000: Gewaltkriminalität

► 892500: Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen

► 899000: Straßenkriminalität

entspricht.

Die sechste Spalte („Gewalt“) der Abbildung zeigt den Gewaltkriminalitätsindex der jeweiligen Ausländerpopulation gemäß der Polizeilichen Kriminalstatistik 2019 (PKS 2019), die siebte Spalte („Crime“) den entsprechenden Crime-Kriminalitätsindex.

In zwei Fällen (Kosovo und Kroatien) ist die Ausländerpopulation in Relation zur Heimatbevölkerung so groß (> 10%), dass von einem repräsentativen Abbild der Heimatbevölkerung ausgegangen werden kann.

Trotzdem bestehen zwischen den Kriminalitätsindizes der beiden Länder enorme Unterschiede. Während die Kriminalitätsindizes der kroatischen Ausländerpopulation dem 1,5-Fachen der deutschen Werte entsprechen, sind die Indizes der Ausländerpopulation des Kosovo ca. drei Mal so hoch wie die kroatischen Werte (und damit ca. 4,5 Mal so hoch wie die deutschen Indizes).

Für eine Ausländerpopulation dieser Größe (fast 13 Prozent der gesamten Heimatbevölkerung) sind die Werte unzumutbar hoch.

Einige wenige Ausländerpopulationen besitzen Crime-Kriminalitätsindizes, die ihre Gewaltkriminalitätsindizes deutlich übertreffen.

Dies trifft besonders ausgeprägt auf die Ausländerpopulationen von Albanien und Georgien zu, weniger deutlich auf einige andere Länder.

Der Grund für die Auffälligkeit ist:

In den genannten Ausländerpopulationen operieren auf Wohnungseinbruchdiebstahl spezialisierte Banden.

Nur drei der gelisteten 30 Länder besitzen Ausländerpopulationen, deren Gewalt- und Crime-Kriminalitätsindizes den deutschen Werten entsprechen (Luxemburg, Österreich und Liechtenstein, in Abstrichen auch Ungarn).

Auch besitzen nur vier Ausländerpopulationen einen höheren Anteil an weiblichen Personen als an männlichen (Armenien, Georgien und Liechtenstein).

Alle anderen gelisteten Ausländerpopulationen besitzen einen leichten oder stärkeren Überschuss an männlichen Migranten.

Zusammengenommen haben die 30 gelisteten Ausländerpopulationen eine Populationsgröße von mehr als 8 Millionen Ausländern, entsprechend etwa 72 Prozent aller in Deutschland lebenden Ausländer.

Das gemittelte Geschlechterverhältnis dieser Gesamtpopulation beträgt 1,25, das ist deutlich mehr als bei allen in Deutschland lebenden Ausländern (1,15).

Die beiden Kriminalitätsindizes liegen ebenfalls leicht oberhalb der Indizes für alle Ausländer.

Datenquellen:

► PKS Bundeskriminalamt, Berichtsjahre 2013 bis 2019, Abrufdatum 19.07.2020)

► GENESIS-Online des Statistischen Bundesamts

Quelle: R. Rebecca Sommer