Koran nur in arabischer Sprache? – Ein Text von Artur Rodenstein

„Ich hatte vorhin auf FB einen Kommentar abgegeben und wenn ich es für sinnvoll erachte, dann formuliere ich einen Gedanken schon mal etwas näher aus. Man hört ja immer wieder von Mohammedanern und/ oder Bestmenschen, der Koran sei überhaupt nur in der Originalsprache Arabisch verständlich, alles andere führe zu Missverständnissen, Falschübersetzungen etc. Dazu sei gesagt, dass von den weltweit 1,5 Milliarden Muslimen nur die allerwenigsten Arabisch als Muttersprache sprechen ( weniger als 10% ), die meisten beherrschen es nicht einmal als Fremdsprache. Auch sie sind auf Übersetzungen angewiesen. Selbst wenn jemand Arabisch als Muttersprache spricht, kann er den Koran nicht problemlos lesen, wenn er sich nicht intensivst damit beschäftigt, denn zwischen Neuarabisch ( mit seinen unzähligen Dialekten ) und dem klassisch-koranischen Arabisch liegen Welten. Um das einmal zu verdeutlichen: Ein Brite kann das Epos „Beowulf“, welches zur Weltliteratur gehört nicht im Original lesen und verstehen, denn es ist auf Altenglisch ( = Angelsächsisch ) geschrieben. Obwohl das Neuenglische daraus entstanden ist, sind zahlreiche altenglische Wörter ausgestorben, wenn sie im Neuenglischen überlebt haben, dann unterliegen sie nicht selten einem enormen Bedeutungswandel, grammatikalische Kategorien sind ausgestorben, die Aussprache ist eine völlig andere und teilweise auch die Schreibung ( ausgestorbene Buchstaben/ Schriftzeichen ). Wenn ein Brite also Altenglisch lernen will, dann muss er im Grunde genommen eine neue Sprache lernen. Ebenso verhält es sich mit dem Deutschen. Zwischen Neuhochdeutsch und Althochdeutsch, dann Mitelhochdeutsch liegen ebenso Welten. Man versuche einmal das „Nibelungenlied“ oder „Tristan und Isolde“ im mittelhochdeutschen Original zu lesen ( was das Althochdeutsche betrifft, da sind die Unterschiede noch krasser ) und man wird es, wenn man sich nicht professionell damit beschäftigt, nach kürzester Zeit frustriert aus der Hand legen. Ebenso bedarf ein Sprecher des Neuarabischen der Hilfer von Erläuterungen, Übersetzungen, Worterklärungen etc. denn das koranische Arabisch ist etwas völlig anderes als das Neuarabische mit seinen unzähligen Dialektvarianten. Man denke hierbei auch an den „extrem hohen Bildungs- und Alphabetisierungsgrad“ in diesen Ländern, welcher das Verständnis des Altarabischen nicht gerade leichter macht. Kurzum: Wer also mit der Sprache so argumentiert, dass man den Koran überhaupt nur in der Originalsprache verstehen bzw. in Übersetzungen überhaupt nicht verstehen könne, der kehrt all die von mir erwähnten Fakten wissentlich oder unwissentlich unter den Tisch. Wie dem auch sei, es ist eines der dümmsten Argumente überhaupt und leider fallen zu viele moralisch höchststehende Bestmenschen darauf herein. Dies zeigt, dass sie wieder mal keine Ahnung haben, davon aber reichlich. Es sind genau diejenigen, die uns erklären wollen, was im Koran steht und dass es sich bei ihm um eine Religion wie jede auch handele, eine „Religion des Friedens“. Aber wie will man von solchen Leuten, die SO argumentieren, überhaupt nur erwarten können zu wissen, WAS im Koran steht ( von den anderen „heiligen“ Quellen dieser Religion rede ich jetzt überhaupt nicht )? In der Konsequenz würde das ja bedeuten, dass der Koran, der ja angeblich als letzte der Offenbarungen der Menschheit in ARABISCHER Sprache so wie er geschrieben steht unveränderlich und gültig für alle Zeiten von Allah als „absolute göttliche Wahrheit“ „geschenkt“ wurde, also in einer Sprache, welche die allermeisten Menschen weltweit nicht einmal verstehen und selbst die absolute MInderheit, die sie versteht, aus oben genannten Gründen dann doch wieder nicht wirklich unproblematisch verstehen kann. Dann hätte Allah ja, da seine „göttliche universelle Wahrheit“ für alle Zeiten an das (koranisch-klassische) Arabisch gebunden ist, den Menschen eine „Religion“ „geschenkt“, die sprachlich für die absolute Mehrheit weltweit überhaupt nicht verständlich und für eine Minderheit nur mit größten Problemen „verständlich“ ist. Dann würde es sich ja wortwörtlich um eine unverstandene Religion handeln, die nicht einmal Muslime verstehen können. Dennoch darf man so nicht argumentieren, denn Gelehrte haben diese Schriften ja zu allen Zeiten überliefert und übersetzt und wir können verbindlich sagen, was darin steht. Nur so ist es überhaupt denkbar, dass wir heute noch klassiche Schriften nicht nur lesen und verstehen können ( wenn wir Experten sind) oder zumindest auf Übersetzungen zurückgreifen können. Das betrifft nicht nur das Arabische, sondern die klassischen Schriften im Allgemeinen ( griechische und lateinische Literatur, die griechischen Philosophen, die vedischen Schriften des klassischen Sanskrit, das Gilgamesch-Epos, klassische chinesische Schriften, altägyptische Hieroglyphen und in ihnen verfasste Dokumente und Schriften …).Und diese Sprachen lassen sich ja nach wie vor lernen/ studieren und somit weitervermitteln.“

Text von Arthur Rodenstein

(Fund in Facebook)